Einladung zu Vorträgen und Diskussion:
„Dem blutigen Zweck der Herrschaft ist die Kreatur nur Material“
Marxsche Kapitalismuskritik und Dialektik der Naturbeherrschung als Ansätze für eine kritische Theorie zur Befreiung der Tiere?
Samstag, 15. Dezember 2007, 18 Uhr: Aula im Alten AKH/Universitätscampus
Spitalgasse 2, Hof 1, 1090 Wien
Sonntag, 16. Dezember 2007, 17 Uhr: Spektral
Lendkai 45, 8020 Graz
Die Basisgruppe Tierrechte* veranstaltet am 15.12. (Wien) und 16.12. (Graz) einen Vortragsabend mit anschließender Diskussion zu dem wir alle, die sich für Tierbefreiung im herrschaftskritischen, gesamtgesellschaftlichen Kontext, den Historischen Materialismus und die Kritische Theorie der Frankfurter Schule interessieren oder einfach nur gerne zum zuhören und mitdiskutieren vorbeikommen wollen einladen möchten. Mit dem Vortrag soll der Versuch unternommen werden, die Befreiung der Tiere, als Teil der gesellschaftlichen Befreiung zu begreifen und ein möglicher Weg für die Konzeption einer dafür notwendigen materialistischen kritischen Theorie vorgelegt werden.

"Die Tiere befreien natürlich", antwortete Herbert Marcuse Ende der 1960er auf die Frage, wofür er sich nach dem Erreichen der „befreiten Gesellschaft“ engagieren würde. Ebenso wie er übten auch Max Horkheimer und Theodor W. Adorno radikale Kritik am gesellschaftlichen Verhältnis zur (inneren und äußeren) "Natur", welches sich greifbar in der industriellen und warenförmigen Massenproduktion von verfüg- und tötbarem Leben ausdrücke. Sie meinten, dass zu jenen regressiven Momenten, die die Vernunft reflektieren müsse, auch eine verhärtete Haltung gegenüber nichtmenschlichen Tieren gehöre.
In welcher Schärfe die Frankfurter Schule Tiere als geknechtete und ausgebeutete Wesen erkannte, wird der Vortrag von Susann Witt-Stahl detaillierter erläutern.
Marco Maurizi nimmt basierend auf der Marxschen Gesellschaftsanalyse die Überwindung ausbeuterischer Mensch-Tier-Beziehungen in deren Emanzipationsprojekt auf. Auf Grundlage geschichtlicher Verknüpfungen von Unterdrückungsstrukturen sei die Herrschaft des Menschen über den Menschen nicht überwindbar, wenn nicht gleichzeitig die nichtmenschlichen Tiere aus ihrem (von Menschen gemachten) Elend befreit würden. Die Schlussfolgerung seiner Überlegungen: Um sich selbst zu befreien, müsse sich „der Mensch“ erst als Tier, als Opfer der eigenen Herrschaft über die ”Natur” begreifen.
Nähere inhaltliche Beschreibung (PDF)...
Susann Witt-Stahl
Studium der Musikwissenschaften u. Philosophie. Freie Journalistin. Publikationen u.a. über die Verdinglichung nichtmenschlicher Tiere und kulturindustrielle Verformungen des Krieges. Herausgeberin des Sammelbandes "Das steinere Herz der Unendlichkeit erweichen. Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere", Mitbegründerin der „Tierrechts Aktion Nord“.
Marco Maurizi
Studium der Philosophie. Publikationen u.a. zum Nicht-Identischen bei Adorno. Seit 2007 Forschungsprojekt zu Negativer Anthropologie an der Universität Bergamo.
VeranstalterInnen: Basisgruppe Tierrechte (Wien/Graz) & Infoladen Graz; in Kooperation mit GAJ Steiermark und Grüner Akademie
Literatur:
"...und insofern geht auch diese Debatte selbstkritisch voran.", Interview mit Susann Witt-Stahl, Anarchistisches Radio, 7. Mai 2007
Witt-Stahl, Susann (Hrsgin.), Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen. Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere, mit einem Vorwort von Moshe Zuckermann, Aschaffenburg 2007. Buchinfo.
Witt-Stahl, Susann, Die Frankfurter Schule: Solidarität mit den quälbaren Körpern
Haker, Carsten, Das Mensch-Tier-Verhältnis in der kritischen Theorie Adornos und Horkheimers
Tierrechtsaktion Nord (Hrsg.), Von der Aneignung der "natürlichen Dinge" zur "Solidarität mit den quälbaren Körpern." Naturbeherrschungspostulat und Tierbilder im klassischen Marxismus und in der Frankfurter Schule - ein kritischer Vergleich. Dokumentation von Workshop II mit Moshe Zuckermann - veranstaltet von der Tierrechts-Aktion Nord (TAN) - am 5 Februar 2005 (4 Audio-CDs), Hamburg 2007.
Tierrechtsaktion Nord (Hrsg.),"Dem blutigen Zweck der Herrschaft ist die Kreatur nur Material." Die Frankfurter Schule und ihre Kritik der Naturbeherrschung unter besonderer Berücksichtigung des Mensch-Tier-Verhältnisses Dokumentation eines Workshops der Tierrechts-Aktion-Nord mit Moshe Zuckermann, Hamburg 2005.
Tierrechtsaktion Nord (Hrsg.), "Marginalien zum Mensch-Tier-Verhältnis." Ergebnisse der Hamburger Tierbefreiungstagung 2004, Hamburg 2004.
Tierrechtsaktion Nord (Hrsg.), „Leiden beredt werden zu lassen, ist Bedingung aller Wahrheit.“ Reflexionen zum Mensch-Tier-Verhältnis, Hamburg 1999.
Mütherich, Birgit, Die Problematik der Mensch-Tier-Beziehung in der Soziologie: Weber, Marx und die Frankfurter Schule, Münster 2004.
Die Basisgruppe Tierrechte (BAT) versteht sich als ein Zusammenschluss engagierter herrschaftskritischer Individuen, die sich sowohl für die Befreiung der Menschen, als auch für die Befreiung der unter dem Begriff »Tiere« subsumierten Individuen einsetzen. Da wir die Beherrschung und Ausbeutung der Tiere nicht als ein isoliertes Phänomen unserer Gesellschaft betrachten, sondern der Ansicht sind, dass dieses Phänomen in direkter Wechselwirkung mit anderen Unterdrückungsverhältnissen steht, sehen wir auch keinen Sinn darin die Befreiung der Tiere losgelöst von der Befreiung der Menschen zu sehen. Unsere Forderung ist daher das Ende der Herrschaft über andere und damit ein freies und selbstbestimmtes Leben frei von Zwängen und Gewalt für ALLE Individuen. Diesem Selbstverständnis nach sehen wir es auch als notwendig an, sich intensiv mit Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und anderen wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund engagieren sich auch viele AktivistInnen und SympathisantInnen der BaT in anderen emanzipatorischen Zusammenhängen.
Unsere Aktivitäten liegen derzeit schwerpunktmäßig in der Beteiligung an der „Offensive gegen die Pelzindustrie“ und anderen aktuellen Kampagnen sowie in der Informations- und Theoriearbeit.
Wenn du uns kennen lernen möchtest, kannst Du
-
jeden ersten Montag im Monat bei einem unserer offenen Plena im Amerlinghaus vorbeischauen, oder
- jeden letzten Freitag im Monat
unser Antispe Café in der i:da - idee direkte aktion besuchen.
Wir würden uns freuen!
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